Methodik

Wie die Reihen entstehen

Eine Messlatte taugt nur, wenn man weiß, wie sie gemacht ist. Hier steht das Regelwerk vollständig, einschließlich der Stellen, an denen es eine Näherung ist.

Das Regelwerk

Titelkreis

Grundlage sind rund 15.000 Aktien: die heute handelbaren und die seither von der Börse verschwundenen. Der zweite Teil ist der entscheidende. Ohne ihn misst eine Reihe nur die Überlebenden und sieht die Vergangenheit freundlicher, als sie war.

Ein verschwundener Titel wird bis zu seinem letzten echten Kurs gehalten und realisiert dort, was er realisiert hat. Kein Bonus Richtung null, keine Ausblendung.

Plausibilitätsprüfung

Verworfen wird ein Titel, dessen Kurs über 10.000 Dollar je Aktie liegt, dessen Stückzahl 500 Milliarden übersteigt oder dessen Börsenwert 10 Billionen Dollar überschreitet.

Diese drei Grenzen stehen in Dollar und nicht in Euro, obwohl die Reihen in Euro ausgewiesen werden: geprüft wird vor der Umrechnung, auf der Rechenwährung. Eine Grenze, die von einem Wechselkurs abhinge, würde je nach Tag verschieden viele Titel verwerfen.

Das klingt nach einer Formalie und ist es nicht. Ohne diese Prüfung deckten rechnerisch fünf Titel 99 Prozent des Gesamtwertes ab, weil nicht bereinigte Rückwärtssplits in einzelnen Kursreihen Werte von 225 Millionen Dollar je Aktie erzeugen. Betroffen sind 46 von rund 15.000 Titeln, also 0,3 Prozent, aber ihr Einfluss auf eine Gewichtung nach Größe ist unbegrenzt.

Regionen

Vier Mitgliederkreise nach dem Sitzland der Gesellschaft:

  • LJM Benchmark WeltAlle handelbaren Titel des Universums, ohne Länderfilter.
  • LJM Benchmark USATitel mit Sitz in den Vereinigten Staaten.
  • LJM Benchmark EuropaTitel mit Sitz in Europa, geografisch abgegrenzt und nicht nach Währungsunion: Großbritannien und die Schweiz gehören dazu.
  • LJM Benchmark JapanTitel mit Sitz in Japan.

Europa ist geografisch abgegrenzt und nicht nach Währungsunion. Eine Europa-Reihe ohne Großbritannien und ohne die Schweiz würde einen erheblichen Teil dessen auslassen, was der Markt dort ist.

Mitgliedschaft

Wer im Monat dabei ist, wird am letzten Handelstag des Vormonats festgelegt und innerhalb des Monats nicht mehr geändert. Damit kann kein Wissen in die Vergangenheit zurückwirken, das zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht vorlag.

Aufgenommen wird ein Titel, wenn er am Stichtag drei Bedingungen erfüllt:

  • mindestens 201 Handelstage Kurshistorie,
  • ein letzter Kurs, der höchstens 14 Kalendertage alt ist,
  • eine saubere Kursreihe, also kein Tagessprung um mehr als den Faktor zwei, geprüft sowohl in der Notierungswährung als auch in der Rechenwährung. Solche Sprünge stammen fast immer aus Kapitalmaßnahmen, die in den Rohdaten nicht bereinigt sind, und würden als Rendite durchgehen. Beide Reihen zu prüfen ist nötig, weil sie unabhängig voneinander fehlerhaft sein können.

Mitgliedschaft nach Abdeckung

Die zugelassenen Titel werden nach ihrem Börsenwert am Stichtag absteigend sortiert. Aufgenommen werden so viele, bis 99 Prozent des gesamten Börsenwertes erreicht sind.

Bewusst keine feste Betragsgrenze. Eine Zahl wie „ab 10 Milliarden" hat keine Begründung und wandert unbemerkt mit dem Markt: die Zahl der Titel darüber wächst in der Hausse und schrumpft in der Baisse, der Filter ist also gerade dann am lockersten, wenn er am strengsten sein müsste. Die Abdeckungsregel skaliert von selbst. Die Schwelle, die sich aus ihr ergibt, lag zwischen 847 Millionen und 1,4 Milliarden Dollar.

Warum 99 und nicht 100 Prozent: der letzte Prozentpunkt besteht aus etwa der Hälfte aller Titel und trägt ein Zehntel bis sieben Zehntel Prozent des Wertes. Er ist wirtschaftlich bedeutungslos, stellt aber genug schwankungsstarke Kleinstwerte, um die gleichgewichtete Variante zu verzerren.

Maßgeblich ist der Börsenwert zum Stichtag, nicht der heutige. Auf den heutigen zu filtern wählt rückwirkend die Gewinner von morgen aus und erzeugt rund 17 Prozentpunkte Rendite im Jahr, die es nie gab.

Gewichtung

Beide Varianten werden gleichrangig veröffentlicht, weil sie verschiedene Fragen beantworten:

  • kapitalgewichtetJeder Titel geht mit seinem Börsenwert ein. Die Reihe folgt damit den Schwergewichten und beschreibt, was ein Anleger im Mittel verdient hat.
  • gleichgewichtetJeder Titel zählt gleich viel, unabhängig von seiner Größe. Die Reihe beschreibt damit die Breite des Marktes und nicht seine Spitze.

Das Gewicht eines Titels ist seine Stückzahl mal seinem Kurs am jeweiligen Tag. Die Stückzahl ist dabei die zuletzt bekannte und wird nicht in die Vergangenheit zurückgerechnet; Rückkäufe und Kapitalerhöhungen sind darin also nicht abgebildet. Das ist die wesentliche Näherung im Regelwerk. Sie verschiebt Gewichte, nicht Vorzeichen.

Währung

Ausgewiesen wird in Euro. Eine Messlatte gehört in dieselbe Währung wie das, was sie misst: wer ein Depot in Euro gegen eine Reihe in Dollar hält, misst zu einem erheblichen Teil den Wechselkurs statt der Unternehmen.

Gerechnet wird intern in Dollar und die fertige Tagesrendite anschließend umgerechnet. Das ist exakt und keine Näherung: der Wechselkurs eines Tages ist für alle Titel derselbe Faktor und kürzt sich aus dem Verhältnis heraus.

Eine Reihe auf globale Aktien in Euro trägt damit die Bewegung des Wechselkurses mit. Das ist kein Makel, sondern genau das, was ein Anleger im Euroraum erlebt.

Verkettung

Jeder Tag des Monats wird gegen den Stand am Monatsbeginn gemessen, nicht gegen den Vortag. Die Gewichte dürfen dadurch innerhalb des Monats driften, so wie ein Bestand es tut, der nicht täglich umgeschichtet wird, und werden erst am nächsten Stichtag zurückgesetzt.

Das ist keine Feinheit. Den Mittelwert der täglichen Einzelrenditen zu bilden entspräche einer täglichen Rückkehr ins Gleichgewicht, also täglichem Verkaufen der Gewinner und Nachkaufen der Verlierer. Über viele schwankungsstarke Titel erzeugt das einen erheblichen Scheingewinn.

Ein Stand entsteht nur an Tagen, an denen genügend Mitglieder tatsächlich gehandelt haben; an Feiertagen der jeweiligen Börse entsteht kein Stand.

Basis 100 am 1. April 2021. Der laufende Tag bleibt außen vor, seine Schlusskurse können unvollständig sein.

Warum die Reihen 2021 beginnen

Die Kursdaten reichen bis 1980 zurück und die Wechselkurse ebenfalls. Trotzdem beginnen die Reihen am 1. April 2021. Der Grund ist der Titelkreis: eine Reihe ohne die verschwundenen Gesellschaften misst nur die Überlebenden, und vor 2021 sind die verschwundenen nicht vollständig genug erfasst.

Gemessen am eigenen Bestand, gezählt werden Kursreihen, die in einem Jahr enden:

ZeitraumReihen endenTitelbestandAbgangsrate
vor 20166
2016 bis 202092652.000–70.0000,3 % p. a.
2021 bis 202516.31273.0004,5 % p. a.

Vor 2016 enden sechs Reihen. Insgesamt. Nicht weil damals niemand von der Börse ging, sondern weil diese Gesellschaften im Bestand fehlen: sie stehen weder in den heutigen Stammdaten noch in der Liste der verschwundenen Titel, also wurden ihre Kurse nie geholt.

Eine Abgangsrate von 0,3 Prozent im Jahr gibt es an keiner Börse. Vier bis fünf Prozent sind der Normalfall. Der Faktor fünfzehn zwischen den beiden Zeiträumen ist keine Marktveränderung, sondern eine Lücke in der Erfassung.

Die naheliegende Gegenerklärung wurde geprüft und trägt nur zum Teil. Der Sprung könnte echtes Geschehen sein: die SPAC-Welle von 2021 und die Zinswende ab 2022 haben tatsächlich viele Gesellschaften vom Markt geräumt. Das bestätigen die Daten — unter den 2022 abgegangenen US-Titeln liegt die mittlere Lebensdauer bei zwei Jahren, und 59 Prozent von ihnen kamen 2020 oder 2021 an die Börse. Vom Börsengangs-Jahrgang 2021 sind bis 2024 1.186 Gesellschaften wieder verschwunden, aus dem Jahrgang 2019 nur 131.

Das erklärt den Sprung, aber nicht das Niveau davor. Rechnet man diesen Jahrgang heraus, bleiben für 2022 bis 2024 rund 330 bis 570 Abgänge im Jahr allein an den großen US-Börsen; für 2019 stehen dort 49. Ein Jahr mit normalem Übernahmegeschehen hat an NASDAQ, NYSE und AMEX nicht 49 Abgänge.

Eine Reihe ab 2016 wäre deshalb keine etwas optimistischere Reihe, sondern im Kern ein Überlebenden-Index — genau der Fehler, den der Titelkreis vermeiden soll.

Zählweise, ehrlich benannt: „Reihe endet“ zählt mehr als Abgänge, auch Symbolwechsel und Fälle, in denen die Erfassung eingestellt wurde. Diese Ungenauigkeit trifft beide Zeiträume, die späteren eher stärker. Der Vergleich ist damit vorsichtig gerechnet und nicht günstig.

Was die Reihen nicht abbilden

Keine Dividenden

Es sind Kursreihen. Ausschüttungen sind nicht enthalten, die Reihen liegen deshalb systematisch unter einer Performancerechnung derselben Titel. Wer sie mit einem Performanceindex vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge.

Keine Kosten

Weder Handelskosten noch Währungsumrechnungskosten noch Steuern. Eine Benchmark ist nicht investierbar; sie ist ein Maßstab und kein Angebot.

Mehrfachnotierungen

Je Gesellschaft geht genau eine Notierung in den Titelkreis ein, die umsatzstärkste, zusammengeführt über den Firmennamen. Ohne das stünde SAP zweimal darin und ihr Börsenwert wäre doppelt gezählt; gemessen betraf das jede sechste Notierung. Nicht über die Wertpapierkennung, obwohl das genauer klänge: der Datenanbieter meldet den Börsenwert je Gesellschaft und nicht je Aktiengattung, weshalb beide Alphabet-Gattungen den ganzen Konzern tragen. Über die Kennung zusammengeführt stünde Alphabet mit dem doppelten Gewicht im Index. Bei den verschwundenen Gesellschaften gelingt das nicht: ihnen fehlt die Wertpapierkennung, und ohne sie lässt sich nicht feststellen, ob zwei Symbole dieselbe Gesellschaft sind. Raten wäre schlechter als Stehenlassen. Bei rund 7.500 verschwundenen gegen 52.000 lebende Titel ist die Wirkung klein, aber nicht null.

Keine Liquiditätsprüfung

Es wird nicht geprüft, wie handelbar ein Titel tatsächlich ist. Die Abdeckungsregel schließt die kleinsten bereits aus, ein eigener Umsatzfilter fehlt aber. Für einen Maßstab ist das vertretbar, für ein investierbares Produkt wäre es das nicht.

Keine Streubesitzkorrektur

Gewichtet wird mit der gesamten Stückzahl, nicht mit dem frei handelbaren Anteil. Gesellschaften mit großem Ankeraktionär wiegen hier deshalb schwerer als in einem streubesitzkorrigierten Index.

Fortschreibung

Die Reihen werden nur angehängt. Ein einmal veröffentlichter Stand wird nicht neu gerechnet, auch dann nicht, wenn sich später herausstellt, dass ein Kurs korrigiert wurde. Das ist unbequem und der einzige Weg, auf dem ein veröffentlichter Stand eine Tatsache bleibt statt einer Funktion der heutigen Datenlage.

Dasselbe gilt für die Untersuchungen: eine verworfene These bleibt stehen und wird weiter beobachtet, statt stillschweigend zu verschwinden.